Lesetipps rund um die Themen Philosophie, Ethik, Geschichte, Unterricht und Bildung im 21. Jahrhundert


Einen Lesenachmittag - mehr benötigt man nicht für die einfühlsame Geschichte des brasilianischen Autors Paulo Coelho.

Ein junger Bogenschütze fordert einen alten Meister heraus. Dieser unterweist einen Jungen aus seinem Dorf in der Kunst des Bogenschießens.

Die Weisheiten des Meisters über das Zielen, Treffen und Loslassen sind eine inspirierende Metapher für das Leben, das Lernen und das Lehren.  


Walter Isaacson hat bereits einige Bestseller im Genre der Biografien vorgelegt. Unter anderem portraitierte er Albert Einstein und Steve Jobs.

In dem ca. 600 Seiten starken Werk "The Innovators" legt er eine kurzweilige und informative Geschichte der Computer und des Internets vor. Neben den bekannten Vertretern der ersten Stunde wie Ada Lovelace bis zu den Ikonen unserer Zeit bekommen auch diejenigen Entwickler und Teams Raum, die in der Öffentlichkeit weniger prominent sind.

Dabei vertritt Isaacson überzeugend die These, dass bei der Entstehung von Innovationen immer Teams und die Vernetzung zahlreicher (durchaus sehr unterschiedlicher) Charaktere entscheidend sind. Auch wenn die Wahrnehmung einzelner Personen zuweilen den öffentlichen Diskurs bestimmt, nachhaltige Neuerungen und Wandel können nur in Teams entstehen und basieren stets auf der Leistung zahlreicher Denker und Künstler der Vergangenheit und Gegenwart.


Dieser ideenreiche Band versammelt auf fast 300 Seiten in dichter Form Ideen und Materialien, die den Unterricht einleiten, inspirieren und anreichern können. Thematische Gliederungen ermöglichen eine schnelle Orientierung zu den großen Themen der Philosophie. 

Interessant ist, dass zu jeder Idee ein Alter angegeben wird, welches als passend empfunden wird. Dass diese Angaben sehr individuell sind versteht sich, dennoch bietet es eine erste Orientierung und zeigt, dass sich der Band nicht nur an Lehrer weiterführender Schulen richtet, sondern auch jüngere Philosophinnen und Philosophen in den Blick nimmt.

Die Kombination aus (Einstiegs-)Fragen und Material macht die Sammlung zudem zu einem Materialschatz, der bei der Vorbereitung sehr hilfreich sein kann.


Der Ansatz von Hanno Depner kann als genial bezeichnet werden. Der Autor und Philosoph befasste sich jahrelang mit der Frage, wie man komplexe Gedanken dreidimensional darstellen kann. Das Ergebnis dieser Überlegungen ist aus meiner Sicht umwerfend.

Ein Würfel, der verschachtelt und vielschichtig, Kants "Kritik der reinen Vernunft" (nicht eben der einfachste Text der abendländischen Philosophie) im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar macht.

Depner führt gut portioniert durch Kants Leben und Denken. Das Buch behandelt inhaltliches und haptisches gemeinsam. Auf diese Weise kann der Leser entscheiden, ob zuerst gebastelt, gelesen oder beides im Gleichschritt (meine Empfehlung) genossen wird. 

Sicher sind die angegebenen Zeiten ambitioniert, aber das sind Kants Gedanken auch. Die Kombination aus genialer Bastelei und verständlicher Erläuterung macht den besonderen Charme des Buches aus und ist somit eine absolute Kauf- und Geschenkempfehlung für alle, die Spaß am etwas anderen Zugang zur Philosophie haben.


Michael Wittschier beschreibt 30 Methoden, wie Texte im Philosophie- und Ethikunterricht erarbeitet werden können. Unterteilt werden diese in in drei Stufen:

1. Methoden zur Texterschließung unter Anleitung,

2. Methoden zur selbstständigen Texterschließung mit Anleitung und

3. Methoden zur selbstständigen Texterschließung.

 

Die Methode werden kurz, präzise und anschaulich vorgestellt. Erfreulich ist hierbei besonders, dass Wittschier die Methoden nicht nur theoretisch erläutert, sondern an philosophischen Texten anwendet. Somit wird das Buch nicht nur zu einer Methoden- sondern auch zu einer Textsammlung, die in keiner Referendarsbibliothek fehlen sollte.

Wittschier hat darüber hinaus mit "Gesprächsschlüssel Philosophie" und "Medienschlüssel Philosophie" zwei  weitere Bände vorgelegt, welche einen ähnlichen Ansatz verfolgen.


Der Philosoph und Autor David Weinberger befasst sich in diesem Buch intensiv mit der Frage, wie sich unser Verständnis von Wissen angesichts des digitalen Wandels verändert.

Das Buch gibt es auch in einer deutschen Übersetzung, ich habe hier allerdings das Original abgebildet, da ich mir dies auch bestellte. Weinberger setzt seine Ausführungen in einen historischen Kontext und verknüpft aktuelle Entwicklungen mit grundsätzlichen Überlegungen.

Zu viel sei an dieser Stelle nicht über den Inhalt verraten, doch wer sich mit Bildung im digitalen Wandel befasst oder ein Geschenk für Quer- und Umdenker sucht, die sich mit dem Thema Wissen und Neue Medien beschäftigen, der ist hier sicher gut aufgehoben. 

 


Rosenbergs Handbuch ist kein Abriss der Philosophiegeschichte oder eine Zusammenfassung einer speziellen Schule oder Disziplin. Tatsächlich wagt Rosenberg eine Einführung in Methoden des Philosophierens selbst. Dieses Unternehmen erstreckt sich im ersten Teil auf die "kleinste Einheit" des Philosophierens: Das Argument.

Im weiteren Verlauf werden Essays, Formen der Kritik, Definitionen, Analogien, Gedankenexperimente und mehr thematisiert. 

Sicher ist der Band speziell, aber gerade dies macht den besonderen Charme aus. Wer sich planvoll und strukturiert mit philosophischer Arbeit auseinandersetzen möchte und selbst philosophische Gedanken darlegen möchte, ist hier gut aufgehoben.


Inzwischen ist "Die digitale Bildungsrevolution" sicher schon ein Klassiker in der noch recht jungen Sparte von Büchern, die sich mit dem Thema Bildung und digitaler Wandel befassen. In elf anschaulichen, spannend geschriebenen und gut lesbaren Artikeln geben die Autoren einen Einblick in den Stand der Technik.

Sie werfen einen Blick auf Projekte, die Rund um den Globus in den letzten Jahren bereits verwirklicht wurden und wagen einen Blick in die Zukunft. Dabei zeigt das Buch Chancen und Risiken der Digitalisierung auf. 

Ein Wermutstropfen dieses Bandes bleiben Wiederholungen innerhalb des Textes. Auf der anderen Seite ermöglichen Redundanzen auch ein Lesetempo, das mir sehr entgegenkam. Phasen- und Kapitelweise in das Buch einzutauchen ist kein Problem.

Einer der größten Pluspunkte ist sicher die motivierende Sprache und positive Grundhaltung, die das Buch gegenüber der Digitalisierung der Schule einnimmt. Auf diese weise motiviert es Ideen anzugehen und umzusetzen. 


Der Untertitel des Buches "Philosophieunterricht - Eine situative Didaktik" zeigt bereits, worum es den Autoren geht. 

Die 27 Kapitel greifen meist konkrete Unterrichtssituationen, -phasen oder -fragen auf und geben Handlungsanleitungen bzw. Möglichkeiten, wie reagiert werden kann.

Das Buch ist dabei so gut, wie die Fragen und Probleme, die als Leitfaden dienen. Dabei überwiegt aber klar der Anteil der Themen, die tatsächlich unterrichtsrelevant sind. 

Insgesamt ist das Buch eine interessante Ergänzung mit praktischen Bezügen, welche ein Studium sehr theorielästiger Lektüre ausgleichen können.


Gottfried Gabriel - Philosophieprofessor aus Jena - widmet sich in diesem Band einem Themenbereich, der nicht nur unglaublich interessant, sondern auch für die Schule besonders wichtig ist. 

Lehrer, die das Glück haben einen Philosophiekurs unterrichten zu können, werden dieses Buch in der Vorbereitung zu schätzen wissen, für das Verfassen fundierter Entwürfe im Praktikum und vor allem im Referendariat ist es besonders interessant.

Zu beachten ist, dass der Band - wie der Untertitel es sagt - mit Rene Descartes beginnt. Wer sich für erkenntnistheoretische Fragen in dieser Epoche begeistert ist hier goldrichtig.


Dieser Lesetipp richtet sich an alle, die das Ziel verfolgen Philosophie- bzw. Ethiklehrer werden zu wollen. Der Reklameband umfasst Auszüge wichtiger Texte zur Fachdidaktik.

Nach einer ausführlichen Einleitung von Kirsten Meyer versammelt der Band die folgenden Textauszüge in drei Abschnitten:

 

1. Der Wert des Philosophierens: Klassische Überlegungen 

In diesem Abschnitt kommen die Klassiker zu Wort. Platon, Aristoteles, Epikur, Hume, Kant, Hegel, Nietzsche und Russell legen die Basis für eine Beschäftigung mit dem Wert der Philosophie für die Bildung.

 

 

2. Wozu Philosophie?

In diesem Abschnitt werden Texte versammelt, die grundsätzlich klären sollen, welche Rolle der Philosophie im Leben zukommt bzw. zukommen kann.

 

3. Philosophieren lernen

Nicht erst hier wird es für angehende Lehrerinnen und Lehrer spannend. Im letzten Abschnitt stehen - kurz und knapp - einige Aspekte der Vermittlung von Philosophie im Blickpunkt.

 

Das Reclambändchen ist sicher für alle Studenten, Praktikanten und Referendare zur Pflichtlektüre zu zählen. Spannend finde ich besonders die Sammlung historischer Positionen. In Bezug auf neuere Texte handelt es sich eher um eine Basis, von der aus weiter vorgegangen werden kann.


Das Lexikon der Ethik hält, was der Name verspricht. Ein umfangreiches und solides Lexikon für die Vorbereitung, das Nachschlagen von Begriffen und die Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern.

Durch umfangreiche Literaturangaben und Verweise auf weitere Artikel kann das Lexikon zum Start- und Mittelpunkt der Recherchearbeit auch im Unterricht werden.

Daher ist auch die Anschaffung für die Schulbibliothek eine Überlegung wert.


Aus zahlreichen Themenbereichen werden in diesem Buch nicht nur Rätsel, sondern auch Fragen, Paradoxien und Probleme in wenigen Zeilen präsentiert. Am Ende des Buches finden sich dann ebenso prägnante Auflösungen, sodass das Buch insgesamt  ca. 260 Seiten umfasst.

 

Ethische Dilemmata erhalten dabei ebenso ihren Raum wie klassische griechische Paradoxien, optische Täuschungen, Zahlenrätsel und und und. Dass bei der ambitionierten Anzahl von 99 Rätseln nicht alle Ansätze gelingen ist verständlich, seine große Stärke entfaltet dieser Band aber in der Kürze der aufgeführten Denkanstöße - und als solche sollte man die Rätsel betrachten. In wenigen Zeilen wird ein Problem dargestellt und ein Rede- und Schreibanlass geboten.

 

Damit  eignet sich das Buch zwar nicht zur inhaltlichen Vorbereitung einer Sachanalyse oder zur Recherche, bietet aber Inspirationen für kurzweilige Vertretungsstunden, Diskussionen, Vertiefungen, Einstiege oder einfach eine unterhaltsamen Zeit zum Nachdenken.


Dieser Reclam-Band wählt einen interessanten Zugang zur Geschichte der Philosophie. Anstatt einzelne Autoren in den Fokus zu stellen, werden (wie der Titel schon sagt) große Fragen der Philosophiegeschichte und die entsprechenden Antworten diskutiert.

 

In 17 Artikeln werden auf ca. 300 werden Themen wie beispielsweise Ethik, Erkenntnistheorie, Anthropologie, Religionsphilosophie, Staatstheorie etc. besprochen. Mit diesem Ansatz liegt die Grundidee des Buches dem problemorientierten Vorgehen in der Schule sehr nahe und ist daher in der Vorbereitung und zur fachlichen Einarbeitung gut geeignet. 

 

Den Autoren gelingt es anschaulich und verständlich komplexe Themen  darzustellen - Originaltexte der Autoren werden in diesem Buch nicht eingefügt, würden den Rahmen eines interessanten Übersichtsbandes aber sprengen. Im Anschluss an dieses Einlesen in die Themen kann man sich gezielt auf die Suche nach den Texten der Autoren selbst machen.

 

Daher ist dieser Band eine klare Leseempfehlung für alle, die themenorientierte Übersichten benötigen und sich in kurzer Zeit in große Fragen einlesen möchten, um ihr Wissen gezielt vertiefen zu können.


Lesebuch zur Ethik

Das Lesebuch zur Ethik ist einer meiner wichtigsten Unterrichtsbegleiter in der Erstellung von Arbeitsblättern und Vorbereitung von Kursarbeiten, mündlichen Prüfungen u.ä.

Immer dann, wenn das Lehrbuch nicht ausreicht, weil die Texte zu knapp sind oder Quellen jenseits des Lehrbuchs gefragt sind, ist dieser Band Gold wert.

In über 200 Ausschnitten von jeweils nur wenigen Seiten werden zentrale Stellen bedeutender Texte chronologisch bzw. regional geordnet zitiert. Dementsprechend schnell kann man sich in der Vorbereitung einlesen und zurechtfinden. 

Auch der Autor selbst kommt am Ende des Bandes zu Wort und bietet darüber hinaus Nachschlagewerke, Sammelbände und mehr. Unbedingte Empfehlung für Ethik- bzw. Philosophielehrer und diejenigen, die auf dem Weg dahin sind. 


dtv-Atlas Philosophie

Der dtv Atlas ist für mich zu einem Allrounder im Schuleinsatz geworden.

 

Erstens bietet dieser schmale und günstige Band die Möglichkeit sich zügig in ein Thema, einen Autor oder eine Zeit einzulesen bzw. wichtige Begriffe nachzuschlagen.

Zweitens finden sich in den anschaulichen Illustrationen griffige Inspirationen für eigene Tafelbilder.

Drittens ist der Atlas eine lohnende Anschaffung für Schulbibliotheken bzw. eine gute Leseempfehlung für Oberstufenschüler. Die Artikel sind kurz und prägnant, wodurch es möglich ist, das Bändchen auch in Unterrichtsstunden einzusetzen (was man von vielen sehr umfangreichen Artikeln im Netz nicht unbedingt sagen kann).

 

Daher gehört dieses Buch auf meine Empfehlungsliste für Schüler, Studenten, Praktikanten, Referendare, Lehrer und alle, die sich einen schnellen und anschaulichen Überblick über zentrale Positionen der Philosophie verschaffen möchten.


Basis-Bibliothek Philosophie

In diesem (ca. 270 Seiten starken Band) werden 100 klassische Werke der Philosophiegeschichte kurz und knapp zusammengefasst. 

Beginnend bei Fragmenten der Vorsokratiker bis zu Habermas "Theorie des kommunikativen Handelns" werden die chronologisch sortierten Werke auf 2 bis 3 Seiten vorgestellt.

 

Zu empfehlen ist das Bändchen für Studenten, Praktikanten, Referendare und Lehrer die sich schnell und gezielt zu bedeutenden Werken der Philosophiegeschichte informieren wollen.

 

Dass das Werk auf 100 Titel begrenzt ist, störte mich nicht. Es bleibt dadurch übersichtlich, macht neugierig und lädt zum Lesen ein anstatt durch eine Überfrachtung abzuschrecken.