Facebook investiert in digitale Ethik

In einer aktuellen Meldung der dpa wird heute angekündigt, dass Facebook in den nächsten Jahren mehrere Millionen Dollar investieren wird, um es einem unabhängigen Institut für Ethik in künstlicher Intelligenz in Zusammenarbeit mit der TU München zu ermöglichen, Fragen digitaler Ethik zu erforschen. 
1. Dieser Schritt ist wichtig und richtig: Facebook ist eine der wichtigsten Plattformen digitaler Gegenwart. Milliarden von Menschen nutzen die Dienste des Unternehmens und stellen diesem ihrerseits unvorstellbare Datenmengen zur Verfügung. Facebook zeigt durch diese Investition, dass es sich dieser Verantwortung bewusst ist und aus gravierenden Fehlern in der Vergangenheit zu lernen bereit ist.

2. Dieser Schritt ist allerdings ebenso unzureichend und falsch: Mittel zur Erforschung digitaler Ethik sollten nicht von Unternehmen und privaten Investoren stammen. Ein Bereich der alle Menschen angeht sollte auch durch die Gesellschaft finanziert werden und nicht vom finanziellen Wohlwollen eines globalen Marktführers in diesem Sektor abhängig sein. 
Dies reicht noch tiefer und weiter. Der Aufschrei angesichts der Marktstellung und der Verfehlungen von Facebook hätte in einer digital aufgeklärten Gesellschaft dazu führen müssen, dass Fragen digitaler Ethik zum Pflichtprogramm in Schulen, Ausbildungsberufen und Studiengängen werden. Steuergelder hätten in großem Umfang zum Aufbau von Instituten, zur Berufung in Professionen und zur Umstellung von Lehrplänen führen müssen. Die Tatsache, dass dies -wenn überhaupt - nur sehr zögerlich erfolgte, zeigt, dass wir in der Beurteilung und Erfassung digitaler Ethik weit hinter den Möglichkeiten digitaler Technik stehen. Die Investition von Facebook ist dann falsch, wenn sie als Ablassbrief des Unternehmens fungiert und nicht nur diesem sondern auch seinen Nutzern ein reines Gewissen erkauft.

Die Umwälzungen der Digitalisierung in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik sind so gewalltig, dass es der grsamtgesellschaftlichen Verantwortung bedarf, um die Herausforderungen verstehen und Lösungen gestalten zu können. Es ist nicht (allein) Facebooks Aufgabe aktiv zu werden, es liegt in der Verantwortung von Politik und Gesellschaft digitale Ethik so zu entwickeln, dass jeder Einzelne verstehen und handeln kann und globale Akteure im besten Sinne aller Menschen handeln müssen.

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