Über den Stellenwert des Ethikunterrichts

Als ich mich nach meinem Referendariat bewarb war klar, dass kein Listenplatz einem Absolventen der Fächer Geschichte und Ethik/Philosophie helfen würde. Anstatt also abzuwarten, welche Schulen eine Stelle mit meiner Kombination ausschreiben würden, schrieb ich dutzende Initiativbewerbungen, um auf mich aufmerksam zu machen. 

An einer wunderbaren Schule, die sich noch im Aufbau befand, wurde ich glücklicherweise fündig-darum soll es aber hier gar nicht gehen. 

 

Bemerkenswert waren für mich die Reaktionen zahlreicher Schulen bzw. Schulleitungen in diversen Bundesländern. Bei vielen Telefonaten und schriftlichem Austausch trafen hier nämlich zwei Welten aufeinander: Auf der einen Seite war ich als frisch ausgebildeter Lehrer motiviert für mein Fach und seine Bedeutung (was ich immer noch bin) und auf der anderen Seite steht die Perspektive der Schulorganisation, welche zunächst meist Fächer in den Blick nimmt, die als wichtiger eingestuft werden. Hierzu zählen vor allem naturwissenschaftliche Fächer.

 

Da nicht sicher gestellt ist, dass Schulen Lehrer mit speziellen Fachkombinationen (Mathe, Physik, Informatik oder andere "Klassiker") dann bekommen, wenn diese gebraucht werden, holen sich Schulen diese gern, wenn sie die Möglichkeit haben. Das ist nachvollziehbar, aber wie ich erfahren musste, leiden an einigen Schulen besonders die ausgebildeten Ethiklehrer (und sicher auch andere wichtige Fächer, von denen ich aber nicht aus persönlicher Erfahrung berichten kann) unter diesem Pragmatismus. Mehr als einmal wurde mir überdeutlich mitgeteilt, dass man keinen Ethiklehrer bräuchte - das würde der Deutsch- oder auch mal der Religionslehrer eben mitmachen.

 

Angesichts neuer Entwicklungen der Digitalisierung und entsprechender Herausforderungen an den Einzelnen sich im Umfeld technischer Möglichkeiten  moralisch zu positionieren, ist es allerdings immens wichtig eine philosophisch/ethische Grundbildung zu erhalten. Zumal es gerade in den Studienfächern, welche für technische, medizinische, biologische und mediale Innovationen verantwortlich sind, alles andere als selbstverständlich ist, dass hier moralphilosophische Pflichtveranstaltungen absolviert werden müssen.

 

Die Bedeutung von Ethik, Philosophie und Religion als Fach kann allerdings nur dann klar werden, wenn diese Fächer von motivierten und gut ausgebildeten Lehrkräften unterrichtet werden. Innovation ohne Reflexion und Entwicklung ohne Verantwortung kann kein gangbarer Weg sein - daher braucht es Ethik-, Philosophie- und Religionslehrer genauso dringend an Schulen und in den Universitäten in entsprechenden Fachdisziplinen, wie andere Wissenschaften auch.