Was meinen wir eigentlich, wenn wir von Lehrerpersönlichkeit sprechen?

In der Ausbildung von Praktikanten und Referendaren, aber auch in der späteren beruflichen Entwicklung geht es bei der Reflexion von Mitschauen oder Unterrichtsbesuchen um zahlreiche Aspekte:

  • Fachliche Kompetenz
  • Methodische Vielfalt
  • Didaktische Analyse und Reduktion

und weitere Schwerpunkte des Unterrichts spielen eine große Rolle. In der Regel lassen sich diese Aspekte sachlich analysieren und Leistungsstände transparent machen. 

 

Schwieriger wird es, wenn das Schlagwort der Lehrerpersönlichkeit fällt. Insbesondere kritische Punkte anzusprechen wird in Bezug auf die Lehrerpersönlichkeit aus zwei Gründen meist als schwierig und unangenehm empfunden:

 

  1. Die Lehrerpersönlichkeit zu beurteilen ist dann schwierig, wenn nicht wirklich klar ist, worüber eigentlich gesprochen wird. In der komplexen Aufgabe des Lehrers sind so viele einzelne Fähigkeiten wichtig, dass Dinge schnell vermischt werden können oder zu pauschal besprochen und der ganze Komplex auf eine Stärke oder eine Schwäche reduziert wird.

 

  1. Während fachliches, didaktisches und methodisches Wissen als professionelle Kompetenzen wahrgenommen werden, über die sich distanziert sprechen und streiten lässt, ist die Lehrerpersönlichkeit häufig ein emotional aufgeladenes Thema. Kritik wird verständlicherweise schnell persönlich aufgefasst, da sie oft den Kern dessen betrifft, was uns als Person ausmacht. 

 

In beiden Fällen kann es helfen, sich klarzumachen, worüber wir eigentlich sprechen, wenn wir Lehrerpersönlichkeit sagen. Die Übersicht kann ein Anfang sein, um wichtige Aspekte der Lehrerpersönlichkeit aufzuzeigen. Darüber hinaus hilft es einige Tipps zu beachten, die im Gespräch mit Referendaren oder Praktikanten helfen können:

 

 

  • Transparenz: Machen Sie klar, was kritisiert wird und warum. Auch die Gewichtung ist bedeutend.
  • Sandwichtechnik: Häufig bestehen Besprechungen (auch guter Stunden) zu 90% aus Verbesserungsvorschlägen. Starten sie mit ehrlichen und ausführlichen Darstellungen positiver Aspekte und schließen sie mit positiv formulierten Entwicklungsmöglichkeiten.
  • Klarheit: Lassen sie sich dadurch nicht die Kritik verwässern. Jedem muss nach einer Besprechung klar sein, wo er steht und dies muss deutlich formuliert werden, sonst werden Nachbesprechungen nachbesprochen und man gerät in Feedbackschleifen ohne echte Ergebnisse.
  • Professionalität: Egal wie man persönlich zu einem Menschen steht, wir müssen als Profis in der Lage sein ein differenziertes Feedback zu geben, das sachliche und persönliche Aspekte trennt.
  • Dokumentation: Die Klarheit und Transparenz der Besprechung sollte sich auch in der schriftlichen Fixierung wiederfinden. Protokolle oder Niederschriften helfen allen Beteiligten dichte Gespräche in aufwühlenden Situationen mit Abstand Revue passieren zu lassen und können eventuell sogar rechtlich relevant werden. Daher kann es auch in Besprechungen schon helfen mündlich auf das Protokoll oder die Niederschrift zu verweisen.

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