Pädagogik vor Technik - ein Unterrichtsbeispiel zur Verdeutlichung

Zurecht liest man in vielen Beiträgen und hört in zahlreichen Vorträgen die Forderung: Vor der Technik muss die Pädagogik stehen.

So schön und griffig diese Forderung ist, so blass bleibt sie, wenn nicht durch Beispiele belegt werden kann, was genau gemeint ist und wie das in der Klasse umgesetzt werden kann.

 

In diesem Beitrag möchte ich von einem aktuellen Unterrichtsprojekt berichten, in dem ich versuche genau diesen Vorsatz umzusetzen.

 

Mit einem Geschichtsleistungskurs der 11. Klasse nehme ich gerade an dem regionalen Wettbewerb „Gewalt hat eine Geschichte“ teil. Der Wettbewerb erlaubt es allen Teilnehmern sich mit dem Thema Gewalt auf eine selbstgewählte Weise auseinanderzusetzen. Da wir im laufenden Unterricht gerade das Thema „Deutschland und seine Nachbarn“ behandeln, haben wir uns dafür entschieden, ein Kartenprojekt zu realisieren. 

 

 

Wir wollten eine Umrisskarte Europas zeichnen und die Grenzen Deutschlands farbig einzeichnen. Auf zehn verschiedenen Karten soll Deutschland in unterschiedlichen Zeiten gezeigt werden. In Begleittexten und Quellen wird dann erklärt, weshalb sich die deutschen Grenzen immer wieder verschoben haben und welche Rolle Gewalt dabei spielt.

Dieses Ziel wurde zuerst besprochen und festgelegt. Erst danach haben wir überlegt, wie dieses Ziel erreicht werden kann; welche Prozesse und Arbeitsmittel uns helfen können. Wir haben uns dann dafür entschieden, keine Plakate zu malen, sondern das Projekt digital umzusetzen und die Plakate später auszudrucken, um sie aushängen zu können.

 

Auf der Suche nach passenden Apps (wir arbeiten mit iOS) legten wir goodnotes als Programm zum Zeichnen und Erstellen der Plakate fest, da hier Textfelder, Bilder und Zeichnungen kombiniert werden können. Auf einer weißen A3 Vorlage kann ein Bild einer Europakarte eingefügt und die Konturen einfach nachgezeichnet werden. Löscht man dann das Bild, bleibt nur die selbst gezeichnete Kontur - digitales abpausen sozusagen.

 

 

Der nächste Schritt bestand in der inhaltlichen Recherche: Die Schüler informierten sich über die ihnen zugewiesenen Zeiten, suchten passende Quellen und Karten heraus, schrieben Texte und arrangierten alles. 

 

 

Um das Plakat mit den herausgesuchten Karten zu gestalten galt es nun ein Programm zu finden, mit dem die historischen Karten ausgeschnitten werden konnten. Dann wurde der Umriss des historischen Deutschlands über die Karte gelegt, welche allen als Grundlage diente. Dann konnte im passenden Maßstab der Umriss nachgezeichnet werden. Nun wurde die Vorlage wieder gelöscht und der passende Umriss war auf der für alle gleichen Vorlage zu sehen. Die besondere Herausforderung bestand darin, ein Programm zu finden, dass es ermöglicht mit dem tatsächlich erstellten Ausschnitt zu arbeiten. Viele Apps, mit denen Fotos beschnitten werden können, bieten zwar Schneidewerkzeuge, beim Abspeichern wird dann aber ein neues rechteckiges Bild mit weißem Hintergrund erstellt, welches für unsere Zwecke unbrauchbar war. Wir wurden schließlich bei der App „Bazaart“ fündig.

 

Neben der Gestaltung der Karten müssen in den nächsten Stunden noch Texte und Quellen in die Plakate eingefügt werden, bevor die Arbeiten in den Druck gegeben und im Wettbewerb präsentiert werden können.

Das Beispiel soll veranschaulichen, wie zuerst die Idee entstand und ein Ziel formuliert wurde und erst danach gesucht wurde, mit welchen Apps und Hilfsmitteln dies erreicht werden kann. 

Aus meiner Sicht ist eben dies der passende Weg. Es geht nicht darum, Schülerinnen und Schülern „coole“ Tools um ihrer selbst Willen zu zeigen. 

 

 

Das Primat der Pädagogik ist zugleich keine leere Floskel. Tools/Apps sind für uns als Lehrer und für die Schüler Werkzeuge, welche klassische Lernszenarien ergänzen oder zusätzliche Qualitäten bieten können, um (Unterrichts-)Ziele zu erreichen.

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