Digital Natives?

Junge Menschen hantieren täglich mit neuen Medien. Sie verwenden wie selbstverständlich Computer, Smartphones, Tablets und Spielekonsole. Dabei scheint ihnen selbst die Verwendung von neuen Programmen keinerlei Schwierigkeiten zu bereiten. Von Spielen bis zu sozialen Medien bewegen Kinder und Jugendliche sich ganz natürlich in digitalen Räumen, die Außenstehenden fremd erscheinen.

 

Aufgrund des scheinbar sicheren Umgangs mit neuen Technologien kam schnell die Rede davon auf, die Jugendlichen von heute seien „digital natives“ - also Ureinwohner einer modernen Welt aus Nullen und Einsen. Dieser Eindruck ist allerdings falsch.

 

In der schulischen Arbeit zeigt sich schnell, dass Schülerinnen und Schüler neugierig und wissbegierig sind. Sie probieren gern Neues aus und haben kaum Angst vor neuen Technologien. Dies sorgt dafür, dass sie sich schnell orientieren können und täuscht eine häufig nicht vorhandene Sicherheit vor. 

 

 

Dies zeigt sich in der Schule immer dann, wenn Kinder Anwendungen ausführen sollen, die sie nicht kennen, die für geübte Anwender aber wichtig sind. Einstellungen an einem Textdokument zu ändern, Übergänge in einer Präsentation zu testen oder Einstellungen in einer Tabellenkalkulation vorzunehmen. Dies sind fundamentale Fähigkeiten, die in einem Arbeitsumfeld erwartet werden. Hier zeigt sich: Kinder gehen bei ihrer Erkundung der neuen Medien interessengesteuert vor. Sie sind also keine Ureinwohner einer Insel namens „Neue Medien“. Sie sind ebenso Entdecker, wie Erwachsene es auch sind. Während diese aber mit all ihrer Lebenserfahrung vorsichtig auf die Suche gehen, sich absichern und immer schauen, dass sie in Sichtkontakt zum sicheren Hafen bleiben - also mit anderen Worten vorsichtig sind und versuchen nur Dinge zu tun, die sie auch tatsächlich verstehen, oder deren Sinn sie zumindest erahnen, gehen Kinder anders vor: Sie stürzen sich mit der Machete der Neugier bewaffnet in den Jungle, schlagen überall dort eine Bresche ins Unterholz, wo sie etwas Interessantes vermuten und gelangen so auf schmalen Pfaden sehr schnell in neues Terrain. 

 

Dabei sieht es von außen betrachtet so aus, als verfügten sie über einen Plan der gesamten Insel und wüssten genau wohin sie unterwegs sind. Auch die Entdecker selbst meinen häufig genau zu wissen, was sie tun - und bei einigen stimmt das sogar. Allerdings merkt man, insbesondere bei jüngeren Kindern schnell, dass sie über sehr lückenhafte Kenntnisse verfügen, wenn sie rechts und links ihres Pfades nicht viel kennen. Das oben beschriebene Beispiel ist ein alltägliches über das man stößt, da diese Art der Anwendungen die Kinder wenig interessieren. Da sie den Nutzen und den Spaß an Büro-Anwendungen, die für das Berufsleben wichtig sein werden, nicht erfahren, beschäftigen sie sich mit diesen Dingen weniger, als mit anderen Anwendungen, mit denen sie entsprechend besser vertraut sind. Auch das Speichern von Daten zeigt immer wieder, wie abhängig Kinder davon sind, dass man ihnen zentrale Bedienelemente erklärt. Sie erschließen sich nicht von allein! Viele Schüler können ein Lied davon singen, wie frustrierend es ist, stundenlang oder manchmal wochenlang an Projekten zu arbeiten und diese zu verlieren, weil Speichermedien kaputt gehen, falsche Wege zum Speichern verwendet wurden oder keine Sicherung angelegt wurde. Diese Dinge sind für das Arbeiten zentral. Wer ein wichtiges Projekt angeht muss es schützen. Moderne Medien haben hier nicht dafür gesorgt, dass uns dieser Schritt abgenommen wird. Wenn früher wichtige Dokumente kopiert und an anderer Stelle hinterlegt wurden, dann müssen wir die Kinder heute auch dazu erziehen auf ihre Daten zu achten und sie in jeder Hinsicht zu schützen. 

 

Dies ist aber kein Phänomen, dass nur Schüler betrifft. Ab und an liest man sogar in Zeitungen oder Aushängen, dass Studenten wichtige Arbeiten auf ihrem Laptop gespeichert und diesen vergessen oder liegen lassen haben oder sie bitten sogar Diebe die Daten zurückzugeben und versprechen im Gegenzug auf eine Anzeige zu verzichten. All dies zeigt, dass auch und vor allem jungen Menschen die digitale Welt nicht so selbstverständlich ist, wie es scheint. Um im Bild zu bleiben: Manchmal merkt man erst mitten im Jungle, dass man zwar euphorisch aber doch ohne Karte und Werkzeug losgelaufen ist und sich in einem ziemlichen Schlamassel wiederfindet. 

 

Es ist die Aufgabe der Erwachsenen, Kinder vor einigen der weniger schönen Erfahrungen in dieser Hinsicht zu schützen. Wir müssen ihnen zeigen, wo in diesem Dickicht des Internets und der neuen Medien Gefahren lauern und welche großartigen Dinge sie entdecken können. 

 

 

Digitale Ureinwohner gibt es zwar nicht, aber neugierige Entdecker, die unter fachkundiger Leitung weiter vordringen können als diejenigen, die ihnen bei den ersten Schritten geholfen haben. 

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